Lagos works for us
»Hi, I am a ...ehn? I am a...what?« Die Referenz wird mit dem ersten Ton klar und mit dem zweiten Wort verschoben. Aus »Hi! My name is...« wurde ein »Hi! I am a...«, nicht ein Name, sondern ein Zustand wird hier verhandelt. Als Antwort bekommen wir ein Land genannt, das in Projektionsfläche, Größenwahn und Schizophrenien aller Art der Kunstfigur, die Eminem einst erfand in nichts nachstehen soll. »I am a Nigerian.« »Hi, do u trust Nigerians? Kinda people who are rugged and resilient, shady like Sicilians? ... When my girl starts buggin' me 2 spend, I can't stand it cuz she be like ›You Nigerians are not romantic!‹... Who needs Calvin Klein, when you got Oko Klien?« Terry tha Rapman wendet und ironisiert Zuschreibung und Identifikation, er gilt als einer der Intellektuellen innerhalb einer heterogenen nigerianischen Hip-Hop Szene, die sich vor allem in Lagos und der Hauptstadt Abudja längst einen Namen gemacht hat.
»Welcome to Nigeria. This is Lagos.« Je nach Kontext und Intonation kann das eine Menge bedeuten. »This is Lagos« ist nicht nur eine Feststellung, sondern häufig auch eine Antwort - oder eher der Ersatz einer Antwort. Wie ein Name für eine auf wundersame Weise funktionierende Maschine. »Lagos works for us. There is some kind of function in the dysfunction«, freute sich der Architekt Rem Koolhaas als er Ende der 90er Jahre seiner, wie er so schön sagt, »Intuition« folgte und der Faszination von Größe, Ausdehnung und schwer dechiffrierbarer Produktivität erlag. Vom Präsidenten Olusegun Obasanjo mietete sich die Crew für einige Tage einen Helicopter, flog die Stadt systematisch ab und filmte. Aus der Distanz sieht dann auch der berühmte Go-Slow aus wie eine reizvolle Grafik. »There are these jams that are mostly buses - rivers of yellow trying to go through arteries that are too narrow. (...) It's not just a traffic jam. It's actually a traffic jam turning into a car market, turning into spare parts turning into a smoldering ruin. All in consecutive phases. It's really about metabolism and flows and scale. And unbelievable organization.« Während auf den Strassen der Hustle um jeden Zentimeter kein Ende findet, Genervtheit, Hitze, Stillstand und Schnäppchenmarkt Teil der täglichen Performance sind und es auch nach zwei Wochen beinahe unmöglich bleibt, sich in der Stadt ohne real existierenden Stadtplan einen Überblick zuverschaffen. Nach der documenta X und der Fertigstellung einer DVD scheint die Antriebskraft Faszination wieder verflogen und Rem Koolhaas arbeitet längst wieder an anderen Baustellen.
Von Abidjan bis Kinshasa, von Dakar bis Jo-burg - die afrikanische Großstadt ist auf irgendeine Art in Mode gekommen. Und es mag kein Zufall sein, dass es nicht die Ethnologen sind, sondern Architekten, Urbanisten und Stadtforscher, die sich an die Arbeit zeitgemäßer Analysen machen. »Urban Africa. For The City Yet To Come: Changing African Life In Four Cities« von Abdou Maliq M. Simone ist dabei wohl eins der empfehlenswertesten Indizien. »Die urbane Dimension ist einer der Aspekte moderner afrikanischer Gesellschaften, die am ehesten ignoriert oder misinterpretiert wird.« Simone zielt vor allem auf die Dimension des informellen Sektor, der Schattenwirtschaft, wenn man so will - Arbeit und Produktivkraft jenseits offiziell verbuchten Arbeit. Die tägliche Herausforderung mit der die Lagosians jeden Tag zu dealen haben in einer Stadt, die ca 20 Millionen Einwohner hat, manche Schätzungen gehen bis 30 Millionen, kreiert vor allem bei denen, die um die zwanzig-dreissig sind, eine unglaubliche Geschwindigkeit und Dringlichkeit. Wichtigste Waffe: Humor. Nicht umsonst sind die best bezahlten Entertainer die Comedians. Das permanente Kommentieren und Ironisieren der eigenen Situation und Umstände, die unmittelbare Umsetzung von Wahrnehmung in Worte, ist nur eine der vielen Lektionen, die wir auf unseren täglichen Go-Slow Fahrten erteilt bekamen. Mit dem Journalisten Sam Umukoro von The Guardian Nigeria am Steuer, Adé Odukoya (Brothers Keepers/Bantu) als Stadtführer und stets wechselnden prominenten Gästen von Modenine bis Azadus, wurde das Automobil zum unschätzbaren Lecture-Space und Privileg.
»Suffering and Smiling« hatte Fela Kuti die duldsame Haltung der Fahrgäste in den Minibussen einst besungen, den sogenannten Danfos - und »Suffering and Smiling« lautet noch immer das geflügelte Wort für all jene, die täglich Stunden damit verbringen um von den umliegenden Vierteln zum Arbeitsplatz zu kommen und wieder zurück. Die aktuelle Variante, das Transportwesen musikalisch produktiv zu machen ist die Hymne der »Danfo Driver«. Die Geschichte des Duo Mad Melon und Mountain Black ist eine jener Erfolgsstories aus dem Viertel Ajegunle, die sich anhört wie im Märchen: Vom Danfo Driver zum Popstar. »Während der Fahrer Mad Melon rhythmisch auf die Hupe trommelte, sammelte Mountain Black das Geld von den Passagieren ein und sang dazu. Wer bei den beiden in den Bus gestiegen ist, hat regelmäßig seine Haltestelle verpasst.« Letztlich ist es der Polizei zu verdanken, die willkürlich oft das Danfo der beiden konfiszierte, sei es aus Schikane oder aus Mangel an Autos, so dass das Duo irgendwann entnervt zum Musikbusiness wechselte. Ihr Produzent Desmond, behauptet voller Stolz: »In Nigeria ist Ajegunle der Ort mit dem grössten kreativen Potential. Es ist wie Kingston in Jamaica. Unser Talent hilft uns beim Überleben. Hier in Ajegunle gibt es kein Haus, wo du nicht entweder einen begnadeten Fussballer, Musiker oder Tänzer findest.« Er sagt nicht: einen begnadeten Informatiker, Webdesigner oder Börsenspekulant. Er wird allerdings auch nicht müde, zu betonen, dass die beiden Danfo Driver ihre Herkunft nicht verleugnen, im Gegenteil, und faltet das Plakat zur neuen Platte auf, mit dem Titel »Success-Story«. »You see: on foot in Danfo, on foot in Hummer.«
Ajegunle ist auch einer der Orte mit denen Mike Davis sein längst angekündigtes neues Buch »Planet of Slums« beginnnt. Seine These, die zu belegen er wie gewohnt eine Menge Beispiele geschickt arrangiert, lautet, arg verkürzt: es wird systematisch Krieg gegen die Armen geführt. »Der Governor von Lagos State teilte Journalisten letztes Jahr mit, dass ca zwei drittel der Gesamtfläche von 3,577 km2 als shanties oder slums bezeichnet werden könnten. Indeed, writes a UN correspondent, much of the city is a mystery ... unlit highways run past canyons of smouldering garbage before giving way to dirt streets weaving through 200 slums, their sewers running with raw waste .... Lagos, moreover, is simply the biggest node in the shanty-town corridor of 70 million people that stretches from Abidjan to Ibadan: probably the biggest continuous footprint of urban poverty on earth.« »Lagos - City of Excellence« steht auf den Nummernschildern der unzähligen Autos. Jede nigerianische Stadt hat hier ihrer eigene Bezeichnung.
Man könnte die ganze Geschichte auch völlig anders beginnen: Ende der 70er Jahre antwortete die nigerianische Militärregierung 10 Jahre nach dem bis dahin einzigartigen »Festival des Arts Nègres« in Dakar mit einem eigenen Kulturevent, weltweit bekannt geworden unter dem Namen FESTAC (so heißt ausserdem das Viertel, wo HipHop geboren wurde und wo noch immer eine Menge Rapepr wohnen). Fela Anikulapo-Kuti kehrte der Kuratorenriege bald den Rücken mit den Worten: »Just a big hustle« und organisierte in seinem Haus Kalakuta, seiner eigenen »Republic« ein eigenes Festival. Von offizieller Seite war unter anderem auch Sun Ra eingeladen, doch angeblich gab es kein Geld, um dem Arkestra den Flug zu bezahlen. »Eure Vorfahren kamen nach Amerika ohne einen Cent in der Tasche, wieviel habt ihr?« soll Sun Ra gefragt haben. »Wir haben 50 Cent.« »Ok, dann sind das 50 Cent mehr als eure Vorfahren hatten.« Und Sun Ra bezahlte seinem Arkestra den Flug nach Lagos. Am Flughafen mit den Worten begrüsst: »Welcome home, Sun Ra!« soll er geantwortet haben: »Home? Your people sold mine. This is no longer my home.« (Chimurenga 8: We're all Nigerian!)
»Nigeria has a complex history of colonization. Nigerianische Sklaven zum Beispiel, die von den Portugiesen verschleppt wurden, kamen nach ihrer Befreiung in Brasilien, zurück nach Nigeria und importierten portugiesische Architektur nach Lagos. Es ist wie ein Bumerangeffekt. (It's like an infinite ricochet.) Und als sie nach Afrika zurückkamen, nahmen sie den Platz der Anführer/authorities ein und kontrollierten jene, die Afrika nie verlassen haben. Auf diese Weise reproduzierten sie die koloniale Situtaion. (So that's an internal colonial situation.) I like this connection to Africa because it's so unexpected, particularly for me«, weiss Rem Koolhaas.
Die Geschichte des transnationalen Kulturtransfers ist vielfältig und voller Anekdoten. Seit dem demonstrativen Auftritt von Sun Ra reicht die Namensliste afroamerikanischer Musiker von James Brown bis Wyclef Jean, doch kaum jemand hat in letzter Zeit für soviel Aufregung gesorgt wie 50 Cent. Allerdings lag das weniger an 50Cent als an Eedris Abdulkarim.
Eedris Adulkareem, Modenine, Azadus, Ruggedman, African China, 2 Face, Bantu, OD, The Thourough Breds und wie sie alle heissen. Dass diese Szene inzwischen als Stimme einer Generation wahrgenommen wird, ist auch und vor allem dem Journalisten Ayo Animashaun zu verdanken. »Ende der 80er hab ich all die frühen Rapper gehört, Big Daddy King, Run DMC, all das. Wir sind nicht in den USA, aber in den Strassen Nigerias laufen etliche Jungs rum, die mehr von Hip-Hop verstehen als die Jungs in New York. Das ist ihr Leben.« Vor 10 Jahren hatte Ayo eine Vision und alle hielten ihn für verrückt. Er wollte eine Hip-Hop Zeitschrift gründen in einem Land und zu einem Zeitpunkt, wo Hip-Hop in der öffentlichen Wahrnehmung komplett inexistent war. Fela Kuti war gerade an den Folgen von Aids gestorben und Afro Beat hatte seinen unbeugsamsten Leader verloren. Oder den ersten großen Rap Star, wenn man der Argumentation von Eedris Abdulkarim folgt: »Fela rapped because he talked, when you talk you rap and this is my stand.« Populäre Musikstile wie Fuji oder Juju hatten alles mögliche im Sinne nur keine Aufklärung. In einem Land, das 150 Millionen Menschen zählt und eine Bildungsrate von 6% vorzuweisen hat, wo Korruption zum guten Ton und Stromausfall zur Tagesordnung gehört, während Unmengen an Öl-Dollar in privaten Luxus investiert werden.
Ayo sah die unbedingte Notwendigkeit einer Gegenöffentlichkeit. Geld hatte er keins, hatte aber in einem Buch gelernt: »All you need is passion, money will come.« Das Motivationsmantra in die Tat umzusetzen, hat ihn zwei weitere Jahre gekostet. Heute liegen vier gesponserte Mobiles mit unterschiedlichen Klingeltönen auf dem Tisch, daneben das neueste Modell einer multifunktionalen Armbanduhr, einsatzfähig als Aufnahmegerät, Adapter oder Zwischenspeicher für die Bilder vom letzten Shooting. Auf dem Boden stapelt sich die aktuelle Ausgabe von »HipHop World - The Voice of a Generation«. Das Cover zitiert dick aufgetragene Hip-Hop Ästhetik. Der Titel »The Powerhouse - Most influential people in the Music Industry« zeigt sechs finster dreinblickende Figuren, aufgereiht mit verschränkten Armen in kämpferischer Pose. Ob es unfreiwilliger Trash, ironisches oder eben ironiefreies Statement ist - schwer zusagen. Auf jeder Seite herrscht hemmungslos das Diktat der Werbung, überbelichtete Fotostrecken irgendwelcher Guiness und Nescafé Parties, Ayo im Arm mit 50Cent, viel zu viel unterschiedliche Typo - doch wem es gelingt, auf den verbleibenden Flächen die Artikel zu lesen, wird feststellen, dass hier jemand seine Arbeit sehr ernst nimmt. »You can buy space in the magazine, advertising, but you can't buy what we tell the public. When we feel it, we report it.«
Als Ayo vor 10 Jahren mit seiner Arbeit begann, war Hip-Hop höchstens in Form von miserabel aufgenommenen Tapes verfügbar, keine Plattenfirma wäre auf die Idee gekommen, einen Rapper zu signen. Geändert hat sich das mit dem ersten Hit namens Shakomo Ende der 90er. Eedris Abdulkarim hatte den Song für seine alte Band The Remedies geschrieben. Damit kam der erste Plattenvertrag für Eedris mit dem Major Kennies Musik und, wie so oft, das Zerwürfnis mit der Band. Inwzischen ist Eedris in Nigeria ein echter Popstar und hat die Rolle des enfant terrible der HipHop Szene übernommen. Sein Gassenhauer »JagaJaga«, das ist Yoruba und heisst so viel wie »messed up«, war eine Kampfansage an den Präsidenten. HipHop im besten old school Sinne, verstanden als effektive, populäre und entschiedene Form von Meinungsäusserung. »JagaJaga« ist so platt wie richtig. Der Clip mag ästhetisch durchaus simpler sein, als die Kampfansage von Eminem während der letzten Wahlen, doch mit den eingeblendeten Sprechblasen erteilt Eedris klare Ratschläge wie: »Don't vote for Charles Taylor in 2007«.
Aufgewachsen im muslimisch fundamentalistischen Norden, verkörpert Eedris das Aufstiegsmärchen aus dem Ghetto. Er wird nicht müde, seine Mission zu predigen: Hip Hop als eine Art Abendschule. Zuletzt hatte er eine Aidstiftung und sein eigenes Plattenlabel, La Kreem, gegründet und mit seinem letzten Album, »Letter to Mr Präsident« das Staatsoberhaupt Olusegun Obasanjo unmissverständlich aufgefordert: »We want solution! My people die accross the nation.«
»The whole Hip-Hop thing has shifted to commercial music. People just make money. All that bling bling, the girls and all that. But that's not the essence of the culture.« Ayo redet sich gern in Rage: »We inform, we school, we lecture«. Der Oldschool Impetus scheint unter denen, die derzeit vorne sind in der Szene, Konsens. Stil, Lyrics und Subjects sind allerdings völlig verschieden. Eedris gelingt mit seinen Songs inzwischen medienwirksame Aufmerksamkeit und Mr. Lecturer, ein Stück über sexuelle Nötigung an den Schulen ist zur rhethorisch ironischen Waffe vieler Schülerinnen geworden. Modenine bedient sich bei Malcolm X, den berühmt berüchtigten SPAM-Mails oder einem Schriftsteller wie William Wordsworth. »How to drop science?« lautet seine Lieblingsfrage.
»My name is Abdullahi Frank / The son of an army general, of very high rank / With thirty million dollars in a Nigerian bank / And I need your help to stash this large amount / I'll Offer of it, if you can keep it in your account / Cos the Government in my country is very unstable / And if a coup occurs I'm left with nothing on the Table«.
419 ist ein Anti-Betrugsgesetz, zugeschnitten auf Vorauskassen-Betrug und damit auf das noch immer lukrative Geschäft, das in zig Internet-Cafes, vor allem in Lagos, als einfallsreiche e-mail beginnt. Die Grenze zwischen lovely SPAM und lovely SCAM beginnt, wenn ein margha (das ist Yoruba und meint so viel wie Zielperson) auf reply drückt. Die Wahrscheinlichkeit, dass, wenn jemand antwortet auch tatsächlich Geld fließen wird, liegt bei 70%, so die Analyse eines Ex-Scammers in der Los Angeles Times. Jeder mit einem e-mail account kennt die fantastischen Geschichten all der Söhne irgendwelcher Generäle und Gouverneure, die Millionen geerbt oder deponiert, aber nur grade kein Bankkonto zur Hand haben. Erstaunlich dabei ist nicht, dass die Jungs in Lagos das ausprobieren, sondern dass der Fake noch immer funktioniert. Zuletzt war es der Spiegel, der Lagos zur »Stadt der Cyber-Gangster« erklärte, der Autor mit den üblichen Metaphern, Atmosphären von Müll, Chaos und Armut evozierte, um dann ausführlich aus der Perspektive eines Opfers zu berichten.
Mit den armen geprellten Opfern hat hier niemand Mitleid. Es treffe nicht die falschen, da blieben die Geldgierigen unter sich. Und der Rat von Modenine lautet:
»They send the doe and another problem got em sending more doe / Till they cash flow is on a low / Reassure me that its coming in tomorrow / Make dey proteck hollow at the end instead of getting fat / Now dey suicidal cos they didn't smell a rat / When it was under they nose cos they greedy like that / No rewinding of the hands of time and no payback / Hey Jack you have bin out shined / By the scam referred to as 419 / Now your cursing the day you went on line / Next time be weary of the internet deceit / If you see a strange email my guy / press delete!
Aufgeregte Insider-Diskussionen fangen an dem Punkt an, wenn es um Sprache und internationale Anerkennung geht. Ruggedman begann seine Karriere damit, Protagonisten der nigerianischen HipHop Szene zu dissen, ohne Rücksicht auf Verluste und ist inzwischen stolz auf den Erfolg seiner Erziehungsmaßnahme: »seitdem sind viele besser geworden und strengen sich mehr an, über Dinge zu rappen, die auch eine Relevanz haben.« Die Frage nach der Sprache, nun ja, es war für ihn ein hartes Stück Arbeit, Pidgin, Yoruba und Hausa so geschmeidig zu machen, dass daraus ein sogenannter Flow wird. Doch der einfache Mann von der Straße solle ihn verstehen, der exemplarische shoemaker.
»Wer in Pidgin rappt verdient mehr« bringt Modenine die Sache auf den Punkt, auch wenn es nur die halbe Wahrheit ist. Er war acht, als seine Eltern von London nach Lagos umgezogen sind und Pidgin war für ihn eine Fremdsprache wie für andere Englisch. Er wurde von den meisten schlicht und ergreifend nicht verstanden. Modenine hat seine Hausaufgaben gemacht, doch konsequent in englisch zu rappen, ist für ihn zu einer Frage der Haltung, der Selbstachtung geworden - auch auf die Gefahr hin, nicht oder noch nicht verstanden zu werden.
Bis es irgendwann selbstverständlich wird, einen Hit wie »I am a Nigerian« von Terry the Rapman neben dem von Eminem zu verhandeln, wird es noch eine Weile dauern. Euphorische Foren und Seiten wie http://www.naijajams.com dürften für eine Rezeption, die neue Verbindungen zieht, mehr Bedeutung haben als MTV. Vor einem Jahr wurde MTV Base Africa gegründet, angetreten, afrikanische Popmusik international bekannter zu machen. Doch Ayo bleibt skeptisch: »Nimm 2Face als Beispiel. Er hat den Preis für den besten afrikanischen Künstler bekommen, aber konnte man das Video in Europa sehen? Nein. Nur in Afrika.« Ayo's Stimme überschlägt sich fast und er gerät sichtlich in Rage: »Das Problem ist, die Leute hier wissen das nicht. Sie sehen, ooh, 2Face auf MTV und denken, cool, das ist in der ganzen Welt, aber das stimmt nicht, das ist dumm. Das wird nur in Afrika ausgestrahlt - das ist das große Missverständnis - und das ist unglaublich ermüdend.«
Annett Busch
http://www.fluxfactory.org/otr/hamiltonmilitarize.htm
http://www.africanhiphop.com
http://www.paybacktymerecords.com
http://www.outhere.de
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